St.-Magdalenen-Kapelle, Evern
Liebe Gemeindemitglieder,
die Kirche schrumpft, jedenfalls in unseren Breiten.
Sie schrumpft trotz aller Bemühungen von Priestern und Mitarbeitern – auch wegen der Verfehlungen, der skandalösen und der alltäglichen, von Priestern (und Mitarbeitern).
Sie schrumpft, weil ihr die staatlichen und schulischen Stützen weggebrochen sind, die sie jahrhundertelang getragen haben.
Sie schrumpft, weil sie sich in einem pluralistischen Umfeld behaupten muss, in dem die religiöse Bindung zu einer Sache der ganz persönlichen Entscheidung geworden ist.
Sie schrumpft, weil Bindung und Gemeinsinn überhaupt auf dem Rückzug sind gegenüber einem wurzellosen Individualismus.
Sie schrumpft, weil der Glaube sich historischen Fragen stellen und geistliche Antworten finden muss, die ihm früher nicht bewusst waren.
Sie schrumpft, weil es, bedingt durch all diese Faktoren, viel zu wenige (getaufte) Kinder gibt.
Die Kirche schrumpft. Und wer in Jesus und seiner Botschaft, seinem Kreuz und seiner Auferstehung, in der Liebe des dreifaltigen Gottes, in der lebenschaffenden Gegenwart der Eucharistie den Schlüssel zum Dasein und zum eigenen Herzen gefunden hat, der muss diesen Glauben heute und hier in der Gemeinschaft einer schrumpfenden Kirche leben statt in einer wachsenden und triumphierenden.
Das tut weh und macht traurig. Aber es ist keine Sache unserer Wahl. Es ist die Situation, in die Gott uns gestellt hat. Wir müssen – und können – sie verantwortlich gestalten und Gott dabei vielleicht sogar überraschend näher kommen.
Vor 55 Jahren, am Ostermontag 1955, wurde in Evern die Magdalenen-kapelle geweiht, auf dem von der Familie Achilles gestifteten Grundstück, gebaut mit den Händen und den Beiträgen vieler Gemeindemitglieder. Seither ist sie mit Leben erfüllt und aufopferungsvoll gepflegt und erhalten worden, ist Ort der Gottesbegegnung und der Gemeinschaft im Glauben, ist geistliche Heimat gewesen.
Aber schon vor zwanzig Jahren stand die Frage im Raum, ob dieser Gottesdienstort angesichts zurückgehender Zahlen und wachsender Mobilität noch erhalten werden sollte. Und als wir vor fünf Jahren das 50. Weihejubiläum feierten, war allen bewusst, dass wir in absehbarer Zeit von diesem Haus des Glaubens würden Abschied nehmen müssen.
Nun ist es so weit. Das Bistum hat im Zuge des allgemeinen Reduktions-prozesses die Kapelle in Evern unter die Kirchengebäude eingestuft, die aufgegeben werden müssen. Und wir selber sehen, dass unsere Kräfte und Möglichkeiten abnehmen und konzentriert werden müssen.
So haben Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat von St. Maria einmütig beschlossen, unseren Bischof um einen Profanierungstermin zu bitten. Dieser steht nun fest.
Am Sonntag, dem 12. September, um 10.30 Uhr wird Generalvikar Dr. Schreer mit uns die letzte hl. Messe in der Magdalenenkapelle feiern. Sie endet mit einem Abschiedsgebet, der Leerung des Tabernakels und der Löschung des Ewigen Lichts.
Wie es dann weitergeht, ist noch in vielen Punkten offen. Wahrscheinlich wird sich kein Käufer finden, der das Grundstück mit dem Kapellenhaus übernehmen möchte, sodass die Kapelle abgerissen werden muss. Vorher werden wir das bewegliche Inventar entnehmen und die wertvollen Stücke in unsere Pfarrkirche überführen oder verkaufen bzw. verschenken. Dafür gibt es schon gute Pläne.
Die Schriftlesungen der Osterzeit sind oft aus der Johannesoffenbarung genommen. Der im strahlenden Glanz erhöhte Christus sagt: Ich bin das Alpha und das Omega, der Ursprung und das Ziel. Eure Wege, gerade eure Kreuzwege, führen zu mir hin, und ich komme euch darauf entgegen.
Mit österlichen Grüßen,
Ihr Peter Gerloff, Pfr.

